So viel (Einweg-)Müll produzieren wir Deutschen

Wir benötigen einen Wechsel von Einweg zu Mehrweg! Denn wir Menschen produzieren während unseres Lebens eine Menge Abfall. Besonders problematisch ist hierbei der Verpackungsmüll von Konsumgütern wie z.B. Lebensmitteln. Im Jahr 2018 erzeugte ein:e Deutsche:r etwa 227,5 Kilogramm Verpackungsabfall. Somit gingen sogar 47% der Gesamtmenge des Verpackungsmülls aufs Konto der privaten Endverbraucher:innen.

Unter diesen großen Mengen von Verpackungen befindet sich viel Plastikmüll, der vergleichsweise schwer zu recyceln ist. Dies macht Plastik sehr umweltschädlich, denn große Mengen gelangen in unsere Gewässer und verschmutzen viele Strände.
Ein großer Teil des Mülls, der sich auf städtischen Straßen finden lässt, besteht aus Einweg-Verpackungen wie To-Go-Bechern und Kartons, in denen einst verschiedene Lebensmittel transportiert wurden. Durch Einweg-Verpackungen werden sehr viele Ressourcen verbraucht und die ständige Produktion neuer Verpackungen verursacht einen hohen Anteil an CO2. 

Mehrweg statt Einweg

Unser Mehrwegsystem schont dabei die Ressourcen und trägt damit gleichzeitig zum Umweltschutz bei. Doch man bedenke: Pfandsystem ist nicht gleich Mehrwegsystem!
Die Mehrwegflasche verursacht während ihrer Einsatzdauer im Vergleich zur Einweg-Plastikpfandflasche nur etwa die Hälfte an CO2. Glasflaschen können nämlich häufig wiederbefüllt werden und werden oftmals regional vermarktet. Die Einweg-PET-Flaschen werden in günstiger Produktion hingegen oftmals bundesweit vertrieben, was häufig lange Transportwege bedeutet. Hinzu kommt, dass die Einwegflaschen nach ihrer Rückgabe aufwendig recycelt werden. Jedes Mal wird also eine neue Flasche produziert.

Im Jahr 2022 wird jedoch eine Einwegpfandpflicht für alle Plastikflaschen und viele Getränkedosen eingeführt. Diese soll bewirken, dass der Großteil aller verwendeten Plastikflaschen gut sortiert gesammelt werden kann, wodurch das anschließende Recyceln der Flaschen einfacher wird. Hinzukommt, dass mit der neuen Verordnung auch gewährleistet werden soll, dass die Flaschen ab dem Jahr 2025 aus mindestens 25% recyceltem Plastik (30% ab dem Jahr 2030) bestehen müssen. Dadurch soll auf den Gebrauch von Erdöl bei der Herstellung von Plastikflaschen weitestgehend verzichtet werden.

Verpackungsmüll vermeiden

Um also die CO2-Emissionen weitreichend zu reduzieren, ist es wichtig, dass der Einweg- und Plastikmüll auf ein Minimum reduziert wird. Großteile des Verpackungsmülls sind auf Einwegverpackungen für Lebensmittel zurückzuführen.
So ist es nicht verwunderlich, dass besonders der Handel und die Gastronomie durch To-Go-Speisen und -Getränke zur Müllproduktion beitragen. Hinzu kommt, dass durch die Pandemie der Außer-Haus-Verkauf und der Lieferservice vieler Gastronomiebetriebe stark angestiegen sind, damit ein Überstehen der Pandemie gewährleistet werden kann.
Oftmals werden hierbei die unterschiedlichen Speisen jedoch in Alufolie, Pappkartons oder Kunststoffverpackungen transportiert. Dies steigert dementsprechend die Produktion von Einwegverpackungen und verursacht eine große Menge Abfall. Um dem entgegenzuwirken, entstehen nun einige Ideen und Vorschläge, die Alternativen zur Einwegverpackung anstreben.

Insbesondere Start-Up Unternehmen verfolgen die Idee des Nutzens von Mehrwegverpackungen, die den teilnehmenden Restaurants gegen eine Gebühr zur Verfügung gestellt werden. Die Kunden können ihr Essen auf Wunsch in den Mehrwegverpackungen geliefert bekommen, die sie entweder gegen eine Pfandgebühr oder mit Hilfe einer App leihen können. Nach Gebrauch können diese dann in jedem Partnerrestaurant zurückgegeben werden. Ein Vorteil hierbei ist natürlich das Einsparen von Einwegverpackungen: Das Unternehmen Recircle berichtet, dass durch ihre 53.000 bestehenden Mehrweg-Boxen etwa 200.000 Einwegverpackungen pro Monat eingespart  werden würden. Unternehmen wie zum Beispiel vytal.org erleichtern mit ihrer Idee der Mehrwegsysteme die Umsetzung eines nachhaltigeren Lieferservices und tragen damit gleichzeitig zum Umweltschutz bei.

Mehrwegpflicht in der Gastronomie

Während heute die Teilnahme an den Mehrwegsystemen für die Gastronomiebetriebe noch freiwillig ist, wird dies ab 2023 für einen Großteil derjenigen, die Speisen und Getränke zur Mitnahme anbieten, Pflicht. Mit der im Januar 2021 beschlossenen Änderung des Verpackungsgesetzes soll das Ziel erreicht werden, dass Mehrweg-Verpackungen der neue Standard werden und der durch Einwegverpackungen hervorgerufene Plastikmüll deutlich reduziert wird. Da jedoch Betriebe, die eine Größe von weniger als 80 Quadratmetern aufweisen, von der Mehrwegpflicht ausgenommen sind, werden eben nicht alle Betriebe auf die umweltfreundlicheren Mehrwegverpackungen umsteigen müssen.

Wieso ein Wechsel von Einweg zu Mehrweg hilfreich ist

Festzuhalten ist also, dass unser Mehrweg- und Pfandsystem maßgeblich zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen kann. Damit dies in Zukunft noch besser gewährleistet ist, sollen Beschlüsse und neue Verordnungen dafür sorgen, dass die Mehrwegverpackungen in Zukunft gefördert werden und die Einwegprodukte und unnötiger Verpackungsmüll reduziert werden.

Wenn das Mehrwegsystem lokal organisiert ist und dadurch lange Transportwege vermieden werden können, gestaltet sich dieses als besonders nachhaltig. Bis dies jedoch ideal umgesetzt werden kann, müssen die Endverbraucher:innen selbst aktiv werden und aus Eigeninitiative handeln, indem sie auf bestehende Mehrwegangebote zurückgreifen und unnötigen Verpackungsmüll auf ein Minimum reduzieren. Gleichzeitig ist auch wichtig, dass Leergut und auch Altpapier nicht lange gehortet, stattdessen regelmäßig zurückgebracht werden, damit unsere Mehrwegsysteme und das Recycling weiterhin funktionieren. 

Quellen

https://www.presseportal.de/pm/22521/4820367

https://www.bmu.de/wenigeristmehr/

https://www.mehrweg-mach-mit.de/was-ist-mehrweg/

https://www.mehrweg-mach-mit.de/getraenkeverpackungen/glasflaschen/

https://www.tagesspiegel.de/politik/pro-kopf-227-5-kilogramm-so-viel-verpackungsmuell-wie-nie-in-deutschland/26313854.html

https://www.codecheck.info/news/Oekobilanz-So-viel-CO2-sparen-Mehrwegflaschen-161227

https://www.absatzwirtschaft.de/recircle-co-start-ups-fuer-mehrweg-in-der-gastro-177865/

https://www.bmu.de/pressemitteilung/mehrweg-wird-moeglich-im-to-go-bereich/

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-01/plastikmuell-verpackungsgesetz-aenderung-mehrwegsystem-recycling-bundesregierung-pfand?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com

https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/mehrwegsysteme-auch-in-krisenzeiten-staerken/