Manche lieben sie, manche sind mit ihnen überfordert und manche können wiederum gar nichts mit ihnen anfangen: Kinder. Für viele eine Bereicherung des Lebens, für andere ein Störfaktor. Wie man zu diesem Thema steht, ist jedoch jedem selber überlassen. Es gibt jedoch Menschen, die lehnen das Kinderkriegen aus ethischen Gründen und im Sinne des Naturschutzes ab. Nicht, weil sie selbst keine Kinder bekommen wollen, sondern, weil sie dies nicht mit ihren Werten vereinbaren können. Was wäre, wenn jeder Mensch so denken und es in wenigen Jahren keinen menschlichen Nachwuchs mehr geben würde?

Zu viele Menschen auf der Erde?

Auf der Welt leben momentan 7.8 Milliarden Menschen. Unsere Bevölkerung wächst kontinuierlich heran. Im Jahr 1950 lebten nur 2.5 Milliarden Menschen auf unserer Erde. Während der 2000er-Wende betrug die Größe unserer Weltbevölkerung schon 6 Milliarden Menschen. Ungefähr seit dem Jahr 2011 haben wir die 7 Milliarden-Grenze überschritten. Forscher haben berechnet, dass wir Ende des jetzigen Jahrhunderts eventuell schon 11 Milliarden Menschen auf unserem Planeten sein könnten.

Dass wir Menschen uns schneller und effektiver fortpflanzen ist ein Zeichen dafür, dass die medizinische Versorgung und der Wohlstand immer weiter voranschreiten.
Dies kostet den Planeten Erde jedoch viel Kraft und viele Ressourcen. Denn wir Menschen haben unseren Planeten überbevölkert. Und genau diese Überbevölkerung sorgt dafür, dass sich unser Klima drastisch verändert und wir unsere Ressourcen viel zu schnell aufbrauchen.

Trotz des Bevölkerungswachstums nimmt die Geburtenrate in vielen Ländern immer mehr ab. Experten gehen davon aus, dass Wohlstand mit einem Rückgang von Geburten einhergeht. Auch in Deutschland bekommen Frauen immer weniger Kinder; durchschnittlich etwa 1.7 statt zwei oder sogar drei Kinder. Etwa jede fünfte Frau in Deutschland entscheidet sich gegen eine Schwangerschaft.

Im Jahr 2020 hatten wir bereits am 22. August unser Ressourcen-Budget für das Jahr aufgebraucht. Dieser Tag wird als Globaler Erdüberlastungstag bezeichnet. Vergangenes Jahr war er ungefähr drei Wochen später als im Jahr 2019. Dies liegt an der Corona-Pandemie und der damit einhergehend geringeren CO2-Ausstöße und eingeschränkten Nutzung verschiedener Ressourcen. Wären wir nicht in dieser Pandemie, hätten wir unsere Jahres-Ressourcen vermutlich schon im Mai 2020 aufgebraucht. Das heißt, wir Menschen leben deutlich über unseren Möglichkeiten, da wir vermutlich nicht einmal ein halbes Jahr mit den Ressourcen ausgekommen wären, die uns für ein ganzes zustünden.

Zu viele Menschen leben auf unserer Erde / by Ryoji Iwata

Ressourcenknappheit

Viele Menschen bedeuten gleichzeitig auch viele Ressourcen. Diese Ressourcen, wie Lebensmittel oder Rohstoffe, sind aber nun mal begrenzt. Wenn wir uns fortpflanzen, geschieht dies exponentiell. Unsere Ressourcen können jedoch nicht mit unserer Fortpflanzungsgeschwindigkeit mithalten. So entsteht mit der Zeit eine Ressourcenknappheit. Das gravierendste Problem hierbei ist jedoch die Verteilung der uns zur Verfügung stehenden Ressourcen:

Die Ressourcenverteilung

Viele Regionen der Welt leiden seit Jahren an einem Mangel von Ressourcen. Insbesondere Nahrung und Wasser stellen in einigen Gebieten Afrikas immer noch Mangelware dar. Etwa ein Fünftel der gesamten Weltbevölkerung leidet unter Wasserknappheit. Und dieser Trend nimmt eher zu als ab, sodass in wenigen Jahrzehnten voraussichtlich noch viel mehr Menschen unter Wassermangel leiden werden.


Menschen aus westlichen Industrieländer wie den USA haben beispielsweise einen enorm hohen Wasser- und Energieverbrauch. Dieser ist um ein Vielfaches höher als der einer Person aus einem Entwicklungsland. Da in unseren westlichen Ländern Ressourcen wie Wasser eben etwas Alltägliches darstellen und wir glücklicherweise keinen Mangel dieser erleiden müssen, gehen wir tendenziell auch verschwenderischer mit diesen Ressourcen um.
Würde sich die Bevölkerungsmenge reduzieren, wäre eine gerechtere Verteilung der zur Verfügung stehenden Ressourcen womöglich besser umsetzbar.

Und was nun?

Wie wir Menschen mit unseren Ressourcen umgehen, liegt allein in unseren Händen. Auch wenn die Tendenz der Geburtenrate eher sinkend verläuft, wird die Menschheit auch in den folgenden Jahren noch weiter wachsen. Um dem Ressourcenproblem entgegenzuwirken, hat der Mensch zwei Optionen:

  1. Der Mensch passt sich mit einem nachhaltigen Lebensstandard den zur Verfügung stehenden Ressourcen an.
  2. Der Mensch sorgt für einen effizienteren Anbau von Ressourcen und steigert damit die Porduktionsrate.

Wenn der Mensch beides nicht schafft, dann stehen wir in einigen Jahren wirklich vor einem riesigen Problem, da irgendwann unsere Ressourcen ausgeschöpft sein werden.
Aufgrund von Gentechnik sowie modernen Anbauweisen und dem Einsatz von Düngemitteln und Pestizide, schafft es der Mensch jedoch einen möglichst hohen Ertrag aus Ernten zu erzielen. Dies wirkt zwar der Ressourcenknappheit entgegen, wirkt sich gleichzeitig jedoch wieder negativ auf das Klima und unsere Umwelt aus.
Wenn ihr mehr über Pestizide und den Einfluss auf unsere Umwelt erfahren wollt, dann lest doch diesen Artikel hier.

Keine Kinder mehr: Die Lösung fürs Klima?

Aufgrund unserer Situation, dem Wachsen der Bevölkerung und den damit in Verbindung stehenden negativen Auswirkungen auf das Klima, entscheiden sich immer mehr Menschen dazu, keine Kinder mehr in die Welt setzen zu wollen. Dies hat nichts damit zu tun, dass sich diese Menschen nicht auch eine eigene Familie wünschen würden; sie tun dies aus rein moralischer und ethischer Überzeugung. Denn Kinder sollen angeblich richtige Klimaschleudern sein:

Keine Kinder, weniger CO2?

Seth Wynes und Kimberly Nicholas haben in einer Studie herausgearbeitet, dass der Verzicht, ein Kind zu gebären, pro Jahr über 58.6 Tonnen CO2 einsparen soll. Da mag jetzt manch einer stutzig werden. Denn selbst ein:e erwachsene:r US-Amerikaner:in verbraucht nur knapp 15 Tonnen CO2 pro Jahr. Dies ist zwar immer noch enorm viel, wenn man bedenkt, dass ein Mensch der Nachhaltigkeit zu Liebe nicht mehr als 2 Tonnen CO2 pro Jahr produzieren sollte. Aber wie soll ein Baby dann so viel CO2 hervorrufen können?

Dies geht auf die Berechnung dieses Wertes zurück. Dieser bezieht sich nämlich nicht auf ein einzelnes Kind, sondern schließt auch die CO2-Emissionen der Folgegenerationen direkt mit ein.
(Genaueres zu der Studie und der Berechnung könnt ihr auch hier nachlesen.)
Dass diese Zahl von beinahe 60 Tonnen CO2 pro Baby nun häufig als Argument genannt wird, um aufzuzeigen wie umweltschädlich ein einzelnes Baby doch sei, ist also nicht ganz korrekt. Und schon gar nicht, wenn man diese Zahl in Relation zum CO2-Verbrauch eines PKWs pro Jahr setzt, so wie es gerne getan wird.

Natürlich sind Babies nicht unbedingt die umweltfreundlichsten Geschöpfe auf diesem Planeten. Denn schnell wachsen sie aus ihrer Kleidung heraus, ihre Körperhygiene fordert sehr viel Restmüll und auch sonst benötigen Kinder viel Aufmerksamkeit. Per se zu sagen, dass ein Kind aber die Umweltsünde schlecht hin sei, ist aber eventuell doch sehr weit gegriffen.

Beweggründe, keine Kinder zu bekommen

Natürlich stellen die CO2-Emissionen aber nicht den Hauptgrund dar, warum sich immer mehr Menschen gegen Kinder entscheiden. Denn abgesehen von dem legitimen “Nicht-wollen”, haben viele doch ganz bestimmte Gründe, die sie zu der Entscheidung gebracht haben.

  • Klimaschutz
    Viele Menschen sehen, was unsere jetzige Bevölkerung mit unserem Planeten anstellt. So haben einige keine Interesse daran, Kinder zu zeugen, die in einer Welt aufwachsen, die langsam aber sicher zerstört wird. Zum anderen wollen viele nicht, dass ihre Kinder im späteren Leben weiteren negativen Einfluss auf die Erde nehmen können.
  • Die Frauenrolle
    Die Unabhängigkeit der Frau schreitet glücklicherweise immer weiter voran. Frauen werden selbstsicherer, verdienen oftmals schon besser als noch vor einigen Jahren (das ist aber noch ausbaufähig!) und lernen, sich freier zu entfalten.
    Durch die Unabhängigkeit der Frau und auch durch aufsteigende Berufschancen, steht für viele jüngere Frauen eben auch die eigene Zukunft und Karriere im Vordergrund. Mann, Kind, Hund – das hat für immer mehr Frauen an Priorität verloren. Vielmehr wissen immer mehr Frauen sich selbst und ihr eigenes Handeln zu schätzen, was unter anderem auch für einen Rückgang der Geburten sorgt.
  • Angst und Unwohlsein
    Viele Menschen haben einfach ein ungutes Gefühl dabei, Kinder in der heutigen Zeit zu zeugen. Denn nicht nur die drohende Ressourcenknappheit, sondern die schon jetzt sichtbaren Klimaschäden, die u.a. aus unserer Überpopulation resultieren, drohen sich immer mehr zuzuspitzen. Angst vor einer unabsehbaren Zukunft für die folgenden Generationen veranlasst die Menschen also sich gegen ein eigenes Kind zu entscheiden.
  • Die Überbevölkerung
    Viele haben trotz der Klimaprobleme ein großes Bedürfnis danach, eine eigene Familie zu gründen. Dennoch schlägt immer öfter die Vernunft zu: Wir sind doch schon so viele Menschen auf dieser Erde. Wozu dann noch mehr zeugen? Immer mehr Paare ziehen deshalb auch eine Adoption in Erwägung. So schenken sie schon geborenen Menschen einen Platz in ihrer selbst gegründeten, neuen Familie.
Auch Adoptionen sind eine Option für eine glückliche Familie / by Thiago Cerqueira

Fazit

Was wäre also nun, wenn es keine Kinder mehr gäbe? Also kurz um: Irgendwann wären wir Menschen halt weg vom Fenster. Bis dahin würden jedoch noch einige Jahre vergehen. Vermutlich würde sich mit der sinkenden Population auch unsere Umweltverschmutzung besser in den Griff bekommen lassen und unser Ressourcenproblem würde auch wegfallen. Also, eventuell…

Denn wenn wir ehrlich sind, sind wir Menschen egoistisch. Vielleicht würden die westlichen Regionen trotz der möglichen Ressourcenvielfalt und der ausbleibenden Nahrungs- und Wasserknappheit, dennoch den Großteil für sich beanspruchen. Vielleicht würden wir allgemein verschwenderischer und zerstörerischer mit dem Planeten umgehen.
Denn wenn wir, diejenigen, die sich um eine nachhaltige und bewusste Lebensweise bemühen, unsere Werte und Normen an keine Folgegenerationen weitergeben können und die umweltbewussten Menschen immer mehr zur Minderheit werden, was würde denn dann erst passieren?

Jede:r sollte für sich selbst entscheiden, wie er seine ganz individuelle Zukunft gestalten möchte. Und auch, wenn Kinder definitiv bedeuten, dass durch sie CO2-Emissionen entstehen, können sie im Laufe ihres Lebens ja dem Planeten auch etwas Gutes tun. Denn die Art und Weise wie wir leben und unsere Kinder erziehen, beeinflusst ja auch die weitere Entwicklung des Klimas, der Umwelt und unserer Erde.

Quellen

https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52699/bevoelkerungsentwicklung

https://www.worldometers.info

https://www.quarks.de/gesellschaft/weltbevoelkerung-gibt-es-zu-viele-menschen/

https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/wie-klimaschaedlich-sind-kinder-wirklich/

https://germanwatch.org/de/overshoot

https://www.jetzt.de/kinderkriegen-kolumne/antinatalismus-keine-kinder-fuer-den-klimaschutz

https://ze.tt/diese-menschen-bekommen-keine-kinder-der-umwelt-zuliebe/

https://www.otto.de/reblog/ist-kinderkriegen-nachhaltig-36581/