Was wäre, wenn es keine Flugreisen mehr gäbe? Würde sich unsere Umwelt schnell erholen und würde sich unser Reiseverhalten nachhaltig ändern? Würden wir überhaupt noch in weit entfernte Länder reisen können? Vielleicht haben sich einige von euch genau das auch schon einmal gefragt. Denn immer wieder hört man, dass Fliegen die Umweltsünde schlecht hin sei. Ob das wirklich so ist, erfahrt ihr im heutigen Beitrag!

Flugreisen in Zahlen

Das Jahr 2019 war ein Rekordjahr, was die Anzahl an Fluggästen betrifft. Denn allein in Deutschland traten 124,4 Millionen Menschen ihre Reise mit dem Flugzeug an. Weltweit fanden beinahe 47 Millionen Flüge statt.

Reisen in weit entfernte Orte scheinen sich also an immer größerer Beliebtheit zu erfreuen. Auch sind Flugreisen teilweise günstiger als ein Bahnticket. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen auf das Flugzeug als Transportmittel zurückzugreifen scheinen.

Ein Mensch hat pro Jahr etwa zwei Tonnen CO2 zur Verfügung. In diesem Rahmen kann der Klimaerwärmung entgegengewirkt werden. Ein:e Deutsche:r produziert hingegen durchschnittlich bereits acht Tonnen CO2 pro Jahr. Wenn wir als Beispiel eine Flugreise von Hamburg nach New York City (und zurück) betrachten, dann kosten allein die Flüge jeden Passagier schon fast vier Tonnen CO2!

Zudem ist nicht zu vergessen, dass jeder Flug mit einer sehr hohen Umweltbelastung einhergeht. Die Verbrennung von Kerosin sorgt für das Entstehen schädlicher Abgase. Diese bestehen wiederum aus Stickoxiden, Kohlendioxid und Wasserdampf. Diese schädlichen Stoffe können bis zu 100 Jahre in der Atmosphäre bestehen bleiben.

Doch nicht nur die privaten Urlaube, Wochenendtrips oder Geschäftsreisen sorgen für die negative CO2-Bilanz, die durch Flugzeuge hervorgerufen wird. Insbesondere unser privater Konsum von bspw. Obst aus Übersee fördert die vielen Flüge und die damit einhergehende Umweltbelastung. Etwa 30 Millionen Tonnen an Gütern werden jährlich per Flugzeug hin und her transportiert.

Flugzeug am Himmel / by William Hook

Der Einfluss von Covid-19

Dass die Corona-Pandemie unser aller Leben maßgeblich beeinflusst, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Nicht nur, dass wir unser Privatleben auf ein massives Minimum reduzieren müssen, auch fehlen die Freude bringenden Aktivitäten, die unser aller Alltag freundlicher und aufregender gestaltet haben. Auch Urlaube sind momentan einfach nicht möglich. Jedenfalls ist ein Verzicht auf Reisen, insbesondere mit dem Flugzeug, allein aus solidarischen Gründen nur angebracht. Dennoch darf man durchaus Fernweh nach neuen Orten und anderen Kulturen verspüren und hoffen, dass der Spuk ein baldiges Ende nimmt.

Allein im Jahr 2020 sank die Zahl der weltweiten Flugreisen von 47 Millionen (2019) auf knapp 17 Millionen (2020)! Aufgrund von Reiseverboten und -beschränkungen sank die Zahl der getätigten Flüge rapide. Die wenigen Flüge sorgten eben für einen enormen Rückgang des CO2-Ausstoßes. In China ging dieser im Februar 2020, also zu Beginn der Pandemie, um ein ganzes Viertel zurück.
Auch konnten Wissenschaftler feststellen, dass der Anstieg des CO2 in der Atmosphäre deutlich langsamer vonstatten ging als zuvor.

Keine Flugreisen mehr? Welche Alternativen?

Dass Flugreisen schnell wieder zunehmen, wenn Beschlüsse zum Verzicht dieser gekippt werden, sollte niemanden verwundern. Denn viele Menschen sehnen sich nach Abwechslung und Erholung. Doch wenn die Flugreisen wieder zunehmen, dann steigen dementsprechend auch die CO2-Emissionen erneut. Aber was wäre, wenn es wirklich keine Flugreisen mehr gäbe und Menschen auf alternative Transportmittel zurückgreifen würden, um an ihren Wunschurlaubsort zu gelangen?

Wer fliegt überhaupt und warum?

Ungefähr 4.5 Milliarden Fluggäste lockte es im Jahr 2019 in den Flieger. Klingt viel, jedoch ist zu beachten, dass 80-90% der Menschen weltweit noch nie ein Flugzeug von innen gesehen haben. Das bedeutet, dass der Anteil, der fliegenden Weltbevölkerung eigentlich sehr gering ist. Dennoch treibt dieser kleine Anteil die Flugreisen so sehr an, dass auf mehr als jeden zweiten Erdenbürger eine Flugreise pro Jahr gerechnet werden kann. Denn auf der Welt leben knapp 7.6 Milliarden Menschen.

Schätzungsweise liegt der Beitrag, den die Luftfahrt zu den CO2-Emissionen trägt, bei ungefähr zwei bis drei Prozent. Einige Wissenschaftler schätzen jedoch, dass der gesamte Beitrag der Luftfahrt zur Erderwärmung bei knapp fünf Prozent liegt. Und das ist ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass pro Jahr nur knapp fünf bis zehn Prozent der weltweiten Bürger eine oder mehrere Flugreisen antreten.

Flugreisen ins Ausland sind häufig günstiger als eine Fahrt von A nach B mit dem Zug innerhalb Deutschlands. Fliegt man beispielsweise mit einer bekannten Billigflug-Airline von Bremen nach London Stansted, zahlt man oft nur um die zwanzig Euro pro Flug. Zu diesem Preis kann ich die gleiche Strecke mit der Bahn gerade so nach Hamburg fahren.

Was würde sich für das Klima ändern, wenn niemand mehr fliegen würde?

Würden wirklich keine privaten Reisen mit dem Flieger mehr stattfinden, dann wäre der Umwelt leider nur minimal geholfen. Denn -wie gesagt- nimmt die Luftfahrt mit nur gerade etwa einmal zwei bis drei Prozent Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß. In. Deutschland liegt der Anteil bei gerade einmal 0.3 %. Der Anteil des Straßenverkehrs liegt in Deutschland hingegen bei 23.3 %. Dementsprechend ist das Autofahren ein deutlich größeres Problem als das Fliegen.
Dennoch verursacht ein Flug natürlich deutlich mehr Emissionen als eine Fahrt mit dem Auto. Auch hierbei gilt wie so oft: Die Menge macht’s. Denn es fahren weltweit viel mehr Menschen Auto als dass sie fliegen. So kommen dementsprechend die hohen Emissionen der Autoabgase zustande.

Straßenverkehr belastet die Umwelt maßgeblich / by Alexander Popov
Ist jeder Mensch, der fliegt, ein schlechter Mensch?

Ganz klar: Nein, natürlich nicht! Häufig werden Menschen, die von ihren tollen Urlauben im Ausland berichten, schief angeguckt oder es wird die Nase gerümpft. Denn insbesondere Langstreckenflüge werden verteufelt und schnell wird jede:r Urlauber:in als Umweltsünder:in abgestempelt.
Klar, fliegen ist ein Privileg. Nich jeder kann sich einen Urlaub leisten, welcher per Flugreise angetreten werden muss. Auf der anderen Seite locken insbesondere die Billigflug-Airlines immer wieder mit niedrigen Preisen, sodass auch für Geringverdiener der Wunsch einer langersehnten Urlaubsreise in greifbare Nähe rückt und ermöglicht werden kann.

Kurzstreckenflüge und insbesondere Inlandsflüge sind hingegen oftmals wirklich vermeidbar. Wenn sich schon ab und zu der Wunsch einer großen Reise erfüllt werden soll, dann sollte bei weiteren Trips und Reisen definitiv auf klimaneutralere Angebote gesetzt werden. Denn viele Strecken, gerade im Inland, sind auch mit dem Fernbus oder der Bahn gut zu absolvieren. Bucht man früh genug, lässt sich auch bei diesen Transportmitteln an Geld sparen.

Bio-Treibstoffe als Alternative

Bio-Kraftstoffe sind deutlich teurer als Kerosin. Dementsprechend würden unsere Flüge auch preislich teurer werden. Billige Angebote und damit die Möglichkeit für Menschen, die weniger Geld verdienen, in ferne Länder zu reisen, würden vermutlich abebben.
Im Jahr 2018 wurden nur 15 Millionen Liter Bio-Kerosin produziert. Dies ist ein Gesamtanteil am Treibstoff der Luftfahrt von nur 0.1 %!

Der Nachteil an Bio-Kerosin ist, dass für dessen Erstellung sehr viele Pflanzen benötigt werden würden. So viele, wie alle Menschen der Erde bräuchten, um pro Tag 2100 Kilokalorien zu sich zu nehmen. Auch wenn Pflanzen verwendet würden, die nicht vom Menschen verzehrt werden, bräuchte man riesige Anbauflächen, die nicht zur Verfügung stehen. Denn um alle Flugzeuge mit Bio-Kerosin zu betanken, benötigte man eine Anbaufläche von der Größe Indiens.

Ein zusätzliches Problem wäre die Abholzung des Regenwaldes. Die Bäume, die eben CO2 absorbieren, würden gefällt werden, was der Atmosphäre im Endeffekt drei Mal mehr schaden würde, als wenn man beim herkömmlichen Kerosin bliebe. Weitere Details hierzu findet ihr hier.

Fazit

Fliegen schadet der Umwelt – das ist ganz klar. Jedoch ist der Anteil des ausgestoßenen weltweiten CO2 vergleichsweise doch eher gering. Wieso wird ein Flug dann so stark kritisiert?
Naja, vermutlich, weil Fliegen nichts Essentielles darstellt. Bei Fliegen denken die meisten Menschen an Urlaub und Wochenendtrips. Und viele Reisen werden eben schnell per Flugzeug angetreten, obwohl es deutlich klimafreundlichere Alternativen gäbe.

Dass viele Menschen aber auch aus privaten Gründen fliegen, beispielsweise um ihre Familie oder Freunde zu besuchen oder einfach beruflich unterwegs sind, scheinen viele zu vergessen. Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass jeder Langstreckenflug die eigene Umweltbilanz massiv herunterzieht. Das ständige Radfahren, die vegane Ernährung oder der Verzicht aufs Auto bringen einem am Ende nicht viel, wenn dafür zwei bis drei Urlaube pro Jahr mit dem Flugzeug angetreten werden.

Wie immer gilt auch beim Fliegen: Alles in Maßen. Denn es wird nicht all zu schlimm sein, wenn sich der eigene Traumurlaub mal erfüllt, sich dafür aber sonst für ein nachhaltiges Leben eingesetzt wird.

Quellen

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/02/PD20_050_464.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/411620/umfrage/anzahl-der-weltweiten-fluege/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153528/umfrage/co2-ausstoss-je-einwohner-in-deutschland-seit-1990/

https://www.vcd.org/themen/flugverkehr/

https://www.klimanko.de/co²-belastung-berechnen/flugreise/

https://www.wetter.de/cms/corona-und-klima-4507321.html

https://www.destatis.de/DE/Themen/Laender-Regionen/Internationales/Thema/Verkehr/LuftverkehrPassagierzahlen.html;jsessionid=EAA2AA10C5D4321AD55A0CA8F6040430.live721

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-05/flugverzicht-klimapolitik-emissionen-verantwortung-privileg?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com

https://www.bdl.aero/de/publikation/analyse-der-klimaschutzinstrumente-im-luftverkehr-zur-co2-reduktion/