Sind Schnittblumen tatsächlich schlecht für unser Klima? Das hat sich vielleicht noch kaum jemand gefragt, denn wenn man an den Klimawandel und den Umweltschutz denkt, kommen einem vorläufig wohl die Themen Nahrung, Abfall und Kleidung in den Sinn. Aber Blumen? Können die schönen Pflanzen, die unsere Wohnzimmer strahlen lassen, wirklich schlecht für unsere Umwelt sein?

Was sind Schnittblumen genau?

Unter Schnittblumen versteht man alle Blumen, die zu Sträußen, Gestecken, Kränzen und beispielsweise Dekorationszwecken verwendet werden. Die auffälligen Blüten stechen vor allem durch ihre Bunte Färbung hervor und werden nicht selten verwendet, um Gesten eine tiefere Bedeutung zu verleihen.

Schnittblumen werden zur Dekoration verwendet.

Wo kommen unsere Schnittblumen her?

Deutschland importiert weltweit am meisten Schnittblumen. Wir Deutschen investieren pro Jahr dazu etwa 4 Milliarden Euro, um frische Blumen zu kaufen. Während ein beachtlicher Teil unserer Blumen aus den Niederlanden stammt, lässt sich ein Großteil der importierten Pflanzen jedoch auf Gebiete außerhalb der EU zurückführen. Unsere Blumen kommen größtenteils aus warmen Ländern: Kenia ist beispielsweise für den Großteil des Exports von Rosen verantwortlich, während Nelken vor allem aus Kolumbien stammen. Aber auch Ecuador und Äthiopien sind große Exporteure im Blumenhandel. Das bedeutet, dass ungefähr jede dritte Rose oder Nelke aus einem Entwicklungsland stammt. Damit haben die nach Deutschland importierten Blumen häufig eine lange Flugreise hinter sich. Welche Probleme noch mit dem Import einhergehen, zeige ich euch jetzt:

Schlechte Arbeitsbedingungen, geringe Löhne & sexuelle Belästigung

Viele Menschen müssen in den Exportländern, aus denen wir unsere Blumen beziehen, unter sehr schlechten Bedingungen arbeiten. Trotz langer Arbeitsverhältnisse kommt es nur selten zu festen Arbeitsverträgen, damit die Firma an Geldern wie dem bezahlten Urlaub, Mutterschutz oder auch Sozialversicherungsbeiträgen sparen kann. Frauen werden an ihrem Arbeitsplatz häufig sexuell belästigt.

Es kommt nicht selten vor, dass die Arbeitnehmer:innen insbesondere vor dem Valentins- oder Muttertag bis zu 18 Stunden pro Tag arbeiten. Arbeitnehmer:innen bekommen Überstunden nur selten ausbezahlt.
Die Arbeitnehmer:innen bekommen nur sehr wenig Gehalt. Löhne von unter 40€ im Monat sind keine Seltenheit und reichen oft nicht aus, um eine Familie gut zu ernähren.

Zusätzlich sind die Arbeitnehmer:innen einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Die Schnittblumen, insbesondere Rosen, sind häufig mit Pestiziden versetzt. Fehlende Schutzkleidung und das Einatmen von giftigen Dämpfen beeinflussen die Gesundheit der Feldarbeiter maßgeblich negativ.

Lange Transportwege & eine schlechte CO2-Bilanz

Wenn wir Blumen aus Kenia oder Kolumbien einfliegen lassen, dann haben unsere Blumen eine lange Reise hinter sich. Natürlich schaden die langen Transportwege auch der CO2-Bilanz. Blumen aus den Niederlanden sind dennoch nicht unbedingt besser für die Umwelt:

Wichtig ist vor allem die Art des Anbaus. In warmen Ländern wie Kenia müssen die Blumen logischerweise nicht zusätzlich beheizt werden. Das ist in den Niederlanden anders, denn Rosen müssen dort in Gewächshäusern künstlich beheizt und beleuchtet werden. Trotz des langen Fluges aus Kenia, hätte ein Strauß à 20 Rosen so nur etwa 10 kg CO2 verursacht. Der gleiche Strauß aus den Niederlanden verursacht hingegen 58 kg CO2.

Wasserverbrauch

Insbesondere Rosen brauchen eine große Menge an Wasser. Ungefähr vier Liter benötigt eine einzige Rose. In Kenia werden Rosen daher in der Nähe des Naivasha-Sees angebaut. Dort ist der Wasserspiegel schon deutlich gesunken. Dies hat starke Folgen für die Bevölkerung und insbesondere auch für die Kleinbauern der Region. Denn auch das Abwasser gelangt nahezu ungefiltert zurück in die Natur.

Sind alle Schnittblumen schlecht für die Natur?

Nein, nicht alle Schnittblumen sind am Ende des Tages schlecht für unsere Umwelt. Es gibt einige Unterschiede zwischen den verschiedenen Blumenarten und dementsprechend auch einiges, worauf man beim Blumenkauf achten kann.

Rosen aus nicht-biologischem Anbau sind sehr schlecht fürs Klima. Der Import per Flugzeug erzeugt trotz allem Unmengen an CO2. Man sollte deshalb darauf achten, dass man Blumen mit Bio-Qualität kauft, um den nachhaltigen Anbau und faire Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Ganz günstige Blumensträuße und Gestecke sind deshalb wohl meist eher umweltschädlich.

Zusätzlich ist beim Kauf auf Nachhaltigkeitssiegel (z.B. von FLP) zu achten. Fairtrade ist hierbei nicht die optimalste Lösung, jedoch schon Mal ein Anfang, um Gewissheit zu haben, dass die Blumen unter faireren Arbeitsbedingungen angebaut wurden.

Tulpen gelten als sehr unkomplizierte Blumen. Sie stammen größtenteils aus den Niederlanden und benötigen kaum mehr als das natürliche Regenwasser. Sie sind meist frei von Pestiziden und können zudem saisonal erworben werden.
Allgemein sollte man beim Kauf auf die Saisonalität und auch die Regionalität von Blumen achten. Dadurch beugt man unnötigen CO2-Emissionen vor. Zudem sollte man darauf achten, dass die Sträuße nicht in Plastikfolie gewickelt sind, um unnötigen Plastikmüll zu reduzieren.

Quellen

https://nachhaltig-sein.info/natur/blumen-nachhaltigkeit-schittblumen-co2-flugtransport-rosen-nelken-valentinstag-muttertag

https://www.gesundheitstrends.com/a/bewusst-leben/schnittblumen-nachhaltig-49885

https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/bluhende-geschafte-auf-kosten-von-mensch-und-umwelt

https://www.bund.net/umweltgifte/gefahren-fuer-die-gesundheit/schnittblumen/

https://blickgewinkelt.de/schnittblumen-tulpe-rose-nachhaltig/