Papier ist Papier und Papier ist immer nachhaltig! Haaalt Stop – das ist gar nicht wahr! Dass Papier immer gut für unsere Umwelt ist, ist ein Mythos, der in vielen Köpfen bis heute noch verankert ist. Denn erstens ist nicht jede Art von Papier gleich und ist auch nicht aus den gleichen Materialien gefertigt, und zweitens gibt es auch bei der Herstellung und Entsorgung von Papier einige komplizierte Umstände, die beachtet werden müssen. Denn auch hier gilt: Nur korrekt entsorgt, kann Papier recycelt werden! Es ist also wichtig, dass es Papier-Alternativen gibt, die unsere Umwelt schützen. Ihr kennt keine Alternativen zum konventionellen Papier oder wisst gar nicht über die Auswirkungen der Papierindustrie Bescheid? Dann lest euch im folgenden Artikel doch mal in das Thema rein.

Wieviel Papier verbrauchen wir?

Wir Deutschen gehen nicht gerade sparsam mit unserem Papier um. Mit einem durchschnittlichen Verbrauch von etwa 240 Kilogramm Papier, Pappe und Verpackungsmaterialien pro Person und Jahr, liegen wir sogar noch weit vor den USA (ca. 210 kg/Kopf). Vergleichsweise dazu verbrauchen Menschen in Indien nur ca. 13 Kilogramm Papier pro Jahr und Kopf…

Wie kommt diese hohe Zahl zustande?

Naja, eigentlich geht das sogar recht schnell. Denn man muss bedenken: Papier ist ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags – und das schon seit sehr langer Zeit! Unser Papierverbrauch setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Hierzu zählen beispielsweise unsere Hygieneprodukte wie Küchenrolle oder Klopapier, Schreibpapiere für Arbeit oder Schule oder eben Verpackungsmaterialen und Pakete.

Die Art und Weise wie sich unser Verbrauch von Papier zusammensetzt, ist dabei sehr variabel und schwankt auch mit der Zeit. Denn wo in vielen Büros oder Schulen bereits oft auf digitale Alternativen zurückgegriffen und damit Papier eingespart wird, so verbrauchen wir in der heutigen Zeit an anderen Stellen jedoch mehr Papiermüll.

Heutzutage schreiben viele von uns kaum mehr Briefe, um sich bei Freunden oder Verwandten zu melden. Und auch Dokumente von der Bank, der Krankenkasse oder anderen Institutionen können oftmals digital und per App eingesehen werden. Auf diese Weise wird natürlich eine Menge Papier eingespart. Aber woher setzt sich dann unser hoher Papierverbrauch in Deutschland zusammen? Wie kommt es, dass wir so viel Papier verwenden?

Die Zusammensetzung unseres Papierverbrauchs in Deutschland / designed with Canva


Steigender Papierverbrauch durchs Online-Shopping

An einigen Stellen sparen wir durch unser digitales Zeitalter viel Papier ein. Denn wir Menschen erledigen immer mehr per Computer oder Handy. Online-Speicher wie die Cloud sorgen dafür, dass wir nicht mehr in einem Meer von Dokumenten versinken. Wir können unsere privaten Dokumente alle sorgenfrei auf unseren technischen Endgeräten abspeichern und ordnen.

Mit dem Vorhandensein des Internets ist es aber auch kein Wunder, dass wir Menschen uns unsere Zeit auch gerne im World Wide Web vertreiben. Schnell gelangen wir bei Langeweile auf diverse Online-Handelsseiten und versinken im Shoppingfieber: Und das vom Sofa, Bett oder der Badewanne aus. Der Online-Handel trägt jedoch maßgeblich zum Papierverbrauch bei!

Jede*r Deutsche hat im Jahr 2019 rund 44 Pakete erhalten. Das ist eine ganze Menge. Man geht jedoch davon aus, dass durch die andauernde Corona-Pandemie ein deutlicher Anstieg des Paketeaufkommens zu verzeichnen sein wird. Denn mehr und mehr Menschen bestellen ihre Produkte online. Durch die Schließung des Einzelhandels ist es nur erschwert möglich, gewisse Produkte lokal im Geschäft zu erwerben. Auch das ständige Zuhausebleiben sorgt natürlich dafür, dass immer mehr im Internet gebrowsed und geshopped wird. Denn das Schöne dabei ist: Man muss sich nicht bewegen und bekommt seine bestellten Dinge sogar bis vor die Tür geliefert.

Das Problem: Jede Bestellung ist so oder so eine Belastung für die Umwelt. Lange Transportwege (national oder international) erhöhen den CO2-Ausstoß und schaden damit dem Klima und der Natur. Jedoch bedeutet jede Bestellung aber auch zusätzlichen Papiermüll. Denn nahezu jede etwas größere Sendung gelangt in einem Pappkarton zu uns nach Hause. In Europa wurden 2019 allein 41 Millionen Tonnen Müll durch Packpapier verzeichnet!

Wir Menschen bestellen immer mehr im Internet: Dies ist gleich doppelt schlecht für die Umwelt / by Claudio Schwarz

Wo kommt unser Papier her?

Das konventionelle Papier wird aus Holz hergestellt. Die Holzfasern werden aus frischem Holz oder Altpapier gewonnen. Der Herstellungsprozess von Papier ist recht komplex und erfordert zudem eine Menge CO2 und Wasser. Für eine Tonne hergestelltem Papier aus Holz werden schon 6000-8000 Liter Wasser benötigt! Die Arbeitsschritte der Papierherstellung sind sehr vielfältig. Das Bleichen des Papiers geschieht meistens durch Chemikalien, welche die Umwelt zusätzlich belasten.

Fast 80% der aus Holz hergestellten Frischfasern werden nach Deutschland importiert. Als Exportländer sind hier vor allem Schweden, Portugal und Brasilien zu nennen! Dabei wird weltweit fast jeder zweite industriell gefällte Baum zu Papier verarbeitet. Und die Produktion ist nicht gerade einfach: Eine Tonne Papier herzustellen, kostet genauso viel Energie wie die Produktion einer Tonne Stahl!

Wie gerade bereits gesagt, wird der Großteil an Frischfasern aus dem Ausland nach Deutschland importiert. Denn sogar weniger als ein Fünftel des benötigten Holzes, das wir für unseren Papierverbrauch nutzen, kommt direkt aus Deutschland. Für unser Papier werden große Flächen an Urwäldern abgeholzt, wodurch wir nicht nur das Klima schädigen, sondern auch ganze Lebensräume von Wildtieren zerstören. Es ist leider auch nicht ausgeschlossen, dass Wälder dabei teilweise auch illegal gerodet werden. Brasilien exportierte 2019 900.000 Tonnen Zellstoff nach Deutschland, wofür eine Strecke von über 11.000 Kilometern zurückgelegt werden musste!

350 Schüler verbrauchen pro Jahr etwa eine Waldfläche von der Größe eines Eishockeyfeldes / by Griffin M.

Altpapier in Deutschland

Papier wird in Deutschland zu 78 % aus recyceltem Altpapier hergestellt. Für die Herstellung von 22,1 Millionen Tonnen Papier wurden 2019 17,2 Millionen Tonnen Altpapier in Deutschland verwendet. Klingt doch gut, oder? Der eigentliche Anteil am Altpapier in unseren Produkten entspricht in Deutschland jedoch nur knapp 59%. Wie kann das sein?

Das liegt daran, dass Deutschland einen großen Teil seines hergestellten Papiers exportiert. Gleichzeitig importieren wir aber auch fertige Papierprodukte aus dem Ausland, die wiederum mit deutlich weniger Altpapieranteil hergestellt wurden. Das ist der Grund, weshalb der eigentliche Anteil des integrierten Altpapiers in unseren Produkten deutlich geringer ist als man ursprünglich denken würde.

Papier-Alternativen und wieso diese wichtig sind

Es ist wirklich sehr wichtig, sich Gedanken über unseren Papierverbrauch zu machen. Denn durch unseren hohen Nutzen von Papier müssen eine Menge Bäume gefällt werden. Mit unserem bisherigen Verhalten sind wir also für das Zerstören von diversen Lebensräumen mit verantwortlich. Es wird Zeit, nach Alternativen zum konventionellen Papier Ausschau zu halten. Denn rechnerisch benötigen wir Deutschen für unseren Papierproduktion eine Waldfläche der Größe von 40.000 Fußballfeldern (Bettina Hoffmann, ZDF Interview).

Recycling-Papier

Die Herstellung von Recycling-Papier ist durch und durch gut für unsere Umwelt. Denn die Herstellung benötigt nicht nur 60% weniger Energie, sondern auch 70% weniger Wasser als konventionelles Papier aus frischen Holzfasern. Gleichzeitig unterstützen wir mit dem Kauf von recyceltem Papier nicht mehr die Abholzung des Regenwaldes.

“Wer beim Kauf von einem Paket Papier mit 500 Blatt, das etwa 2,5 Kilogramm (kg) wiegt, zu Recyclingqualität greift, spart 5,5 kg Holz. Mit den 7,5 Kilowattstunden Energie, die man bei Kauf eines Paketes Recyclingkopierpapier zusätzlich spart, kann man 525 Tassen Kaffee kochen.” (Quelle: Umweltbundesamt.de)

Hier lohnt es sich beim Kauf auf das Logo des Blauen Engel zu achten. Denn das Logo verspricht einen 100 prozentigen Altpapieranteil!

Papier aus Stein?

Ja, richtig gelesen. Es gibt tatsächlich Papier, das aus Steinen hergestellt wird. Dabei besteht das Papier zu 80% aus Kalksteinmehl und zu 20% aus einem Bio-Kunststoff. Das Kalksteinmehl wird aus Abfallprodukten aus Steinbrüchen gewonnen. Nach Verwenden ist das Papier recycelbar und beginnt sich unter Sonneneinstrahlung sogar aufzulösen. Zudem ist das Steinpapier sehr robust und für fast jede Art von Druck oder Beschriftung einsetzbar.

Leider wird das Papier nicht überall hergestellt. Demnach ist die Beschaffung mit langen Transportwegen verbunden, die wiederum schlecht fürs Klima sind. Zudem ist die Anschaffung des Steinpapiers auch nicht ganz preiswert.

Graspapier als Alternative

Ja, richtig gelesen. Es gibt immer mehr Firmen, die ihr Papier aus Gras herstellen. Gras eignet sich für eine umweltfreundliche Papierherstellung besonders gut. Denn Gras wächst zum einen sehr schnell nach und zum anderen bieten die weiten, saftigen Wiesen einen vielfältigen Lebensraum für Bienen und andere Insekten.

Durch die Herstellung von Papier aus Gras, wird Energie eingespart und auch Wasser deutlich reduziert! Nur ein Zehntel der Energie, die zur Herstellung von Papier aus Holz benötigt wird, wird zur Herstellung von Papier aus Gras gebraucht. Außerdem braucht man nur zwei Liter Wasser, um eine Tonne Graspapier herzustellen. Für eine Tonne Papier aus Holz braucht man 6000-8000 Liter Wasser.

Graspapier wird meist auch national hergestellt. Das Gras wächst in Deutschland. Die Transportwege sind dementsprechend eher gering, sodass auch die CO2-Emissionen reduziert werden. Durchschnittlich verursacht Graspapier 75% weniger CO2 als Papier aus Holz.

Graspapier besteht (noch) nicht komplett aus Gras. Der Anteil liegt bei 50-60%, während der andere Teil entweder aus Frischfaser oder eben aus Altpapier besteht. Ein weiterer Vorteil ist: Graspapier kann je nach Herstellungsart sogar kompostiert werden.

Weite Infos zu Graspapier erhaltet ihr ebenfalls in unserem Podcast oder auf der Webseite von Kiss My World! 🙂

Graspapier ist eine umweltfreundliche Alternative zum Papier aus Holz / by Kiss My World
Papier aus Bambus oder Hanf

Papier-Alternativen aus Bambus oder Hanf sind nicht so nachhaltig wie sie scheinen. Denn der Anbau dieser fordert Nutzflächen, die für Nahrungsmittel gebraucht werden. Das heißt, dass die Anbauflächen miteinander konkurrieren. Zudem kann nicht überall auf der Welt so einfach Hanf angebaut werden. Es werden für die gleiche Fasermenge, die aus Holz gewonnen wird, zudem deutlich mehr Anbauflächen für Hanf benötigt. Der Ertrag der Pflanze ist einfach deutlich geringer.

Probleme bei der Entsorgung

Viele Menschen denken “Papier ist Papier” und gehört dementsprechend immer in die Altpapiertonne. Dabei ist dem gar nicht so! Ein Großteil unseres benutzen Papiers landet nämlich zu Unrecht im Altpapier. Denn der Grad der Verschmutzung oder auch die Art des jeweiligen Papiers entscheidet über die Entsorgungsweise.

Was gehört ins Altpapier?
  • Pappe & Kartons
  • Briefumschläge (vorher die Folie des Einsichtfensters entfernen)
  • Schreib- oder Kopierpapier
  • Zeitungen, Kataloge, Broschüren usw.
  • Telefonbücher
  • Bücher (ohne den Buchrücken)
Was gehört nicht ins Altpapier?
  • Kassenbelege
  • Papier/Pappe, an dem Speisereste kleben (Pizzakartons zum Beispiel)
  • Backpapier
  • Küchen- und Taschentücher
  • Verbundverpackungen mit Sichtfenstern (wie bei den Briefen oder diversen Hygieneartikeln)
  • beschichtetes Papier (zum Beispiel Saftkartons oder Milchtüten)
Altpapier muss richtig entsorgt werden, damit es korrekt recycelt werden kann / by Jon Moore

Fazit

Es ist wichtig, dass wir unser Verhalten immer selber reflektieren und uns Gedanken über die Auswirkungen dieses machen. Denn wir können immer mehr dazu lernen und unsere Gewohnheiten überdenken. So lernen wir, dass Papier nicht immer nachhaltig sein muss und wir auch mit der Herstellung von Papier der Umwelt schaden können.

Es gibt mittlerweile einige Alternativen zum Papier aus Holz. Nicht alle davon sind automatisch besser für die Umwelt. Grund dafür können beispielsweise lange Transportwege für den Import aus dem Ausland sein. Aber es gibt auch einige neue Innovationen wie das Graspapier, welches auf lange Sicht eine gute Alternative zum Papier aus Holz werden könnte.

Papier-Alternativen sind daher durchaus essentiell für den Umweltschutz. Leider ist es wie mit vielen anderen Dingen auch: Papier-Alternativen sind natürlich teilweise etwas teurer in der Beschaffung als Papier aus Holz. Wenn jedoch mehr und mehr Menschen der Umwelt zuliebe ihr Interesse an anderen Papier-Varianten zeigen, wird sich der Preis in den kommenden Jahren sicherlich auch senken lassen.

Quellen

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/pakete-im-jahr-post-weltweite-statistik-100.html

https://www.quarks.de/umwelt/wie-gut-sind-papieralternativen-wirklich/

https://stattweiss.de/papieralternativen/

https://www.pixartprinting.de/blog/materialien-aus-denen-man-papier/

https://www.abenteuer-regenwald.de/bedrohungen/papier

https://www.verbraucherservice-bayern.de/themen/umwelt/steigender-papierverbrauch-durch-online-handel

https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/altpapier#energieeffiziente-papierherstellung

https://kissmyworld.de/papier-aus-gras/

https://www.regenwald-schuetzen.org/fileadmin/user_upload/pdf/Projekt/Weil-wir/Papier/weil-wir-es-wert-sind-wie-viel-in-baeumen.pdf

https://www.bettina-hoffmann.info/de/blog/2019/10/kleine_anfrage_papierverbrauch.php