Die Lichtverschmutzung sorgt dafür, dass unsere Nächte immer heller werden. Wir leben in einer künstlich erleuchteten Welt. Es wird immer schwerer, in sternenklare Himmel zu schauen und das Universum auf sich wirken zu lassen.
Doch wie schädlich ist die Lichtverschmutzung für unsere Erde, die Natur und auch für uns Menschen?

Lichtverschmutzung? Was ist das eigentlich?

Lichtverschmutzung bedeutet nicht, wie es der Name vermuten lässt, dass unser Licht verschmutzt wird. Vielmehr beschreibt der Begriff die künstliche Aufhellung unseres Nachthimmels. Häufig stammt das Licht von schlecht konstruierten, künstlichen Lichtquellen. Deren Licht wird meist nicht korrekt abgeschirmt und so in der Atmosphäre gestreut.
Unser Himmel erhellt sich mit der Zeit immer stärker. Denn das natürliche Licht wird von unseren künstlichen Lichtquellen immer stärker “verschmutzt”. Weltweit steigt die Verschmutzung unseres Lichts pro Jahr etwa um sechs Prozent an. 83% der Weltbevölkerung leben somit bereits unter einem lichtverschmutzten Himmel.

Singapur oder Katar sind stark von verschmutztem Licht beeinflusst. Woran das liegt? Diese Länder haben viele und große Ballungsräume, die insbesondere in der Nacht stark erleuchtet werden. Große Reklametafeln, Gebäudebeleuchtungen oder ein falscher Einsatz künstlicher Lichtquellen beeinflussen die Verschmutzung unseres natürlichen Lichts. Das künstliche Licht wird nicht abgeschirmt, sodass die Lichtstrahlen unseren Himmel immer stärker erhellen. Das Erkennen der Milchstraße ist somit an vielen Orten nicht mehr möglich.

Länder mit einem starken Bevölkerungszuwachs erstrahlen in deutlich hellerem Licht als Kleinstädte oder Dörfer. Dubai oder Katar, die immer mehr zu Metropolregionen werden, erfahren deshalb auch einen schnellen Anstieg der Lichtverschmutzung.

Singapur bei Nacht / by Bambi Corro

Welche Folgen gehen damit einher?

Dass unser natürliches Licht immer mehr verschmutzt wird, ist keinesfalls ein Problem, das unterschätzt werden sollte. Denn die Verschmutzung des natürlichen Lichts betrifft keineswegs nur Astronomen oder Menschen, die dem klaren Sternenhimmel hinterher trauern.

Auswirkungen auf die Tierwelt

Der natürliche Rhythmus vieler Lebewesen ist tatsächlich an die Tages- und Nachtzeiten angepasst. Durch die künstlich erhellten Nächte, gelangt der Biorhythmus vieler Tiere und Organismen durcheinander. Hier lassen sich einige Beispiele nennen:

Vögel verlieren nachts oftmals ihre Orientierung und werden von erleuchteten Gebäuden irritiert. Viele Vögel fliegen auf ihren Routen dadurch weite Umwege oder sterben durch den Aufprall mit hohen, strahlenden Gebäuden. Auch Singvögel werden durch das künstliche Licht von Straßenlaternen früher geweckt, weshalb sie schon oft eine Stunde vor ihrem natürlichen Rhythmus wach werden und zu singen beginnen.

Schildkröten laufen nach dem Schlüpfen ins Meer, da dies der hellste Ort ist, den sie nach der Geburt sehen. Da aber immer mehr Hotels am Strand stehen, die nachts hell leuchten, werden immer wieder Schildkröten von der künstlichen Helligkeit irritiert und laufen Richtung Gebäude, statt Richtung Meer. Dies kostet ihnen oftmals das Leben.

Motten fliegen in das Licht… nur leider in das falsche. Denn eigentlich sollte das bloße Mondlicht die kleinen Insekten anziehen. Jedoch fliegen Motten immer wieder in das Kunstlicht von Lampen und Straßenlaternen, wo sie oft stundenlang bis zur Ermüdung verharren. Häufig ist ihr Tod die Folge der langen Anstrengung.

Insekten werden von künstlichem Licht angezogen, was ihnen meist den Tod bringt / by A. Werdan
Auswirkungen auf die Natur und Pflanzen

Die künstliche Helligkeit wirkt sich auch auf unsere Pflanzenwelt aus. Zum einen kann das vermehrte Kunstlicht die Photosynthese-Prozesse unserer Pflanzen beeinflussen.
Zum anderen kann es auch dazu führen, dass unsere Laubbäume ihre Blätter später verlieren. Das kann wiederum dazu führen, dass die Bäume unter Frostschäden leiden.

Auswirkungen auf uns Menschen

Natürlich gehen die Auswirkungen von zu viel künstlichem Licht auch nicht spurlos an uns Menschen vorbei. Denn die hell beleuchteten Städte beeinflussen auch unseren Schlafrhythmus maßgeblich. Das Schlafhormon Melatonin wird vor allem durch Dunkelheit produziert. Melatonin steuert den Tag-Nacht-Rhythmus von uns Menschen. Licht hemmt die Bildung dieses Hormons, wodurch eine zu helle Umgebung schlussendlich zu Schlafstörungen führen kann.


Durch den Schlafmangel bleibt der Erholungsfaktor aus und wir kommen immer schlechter zur Ruhe. Doch das liegt nicht nur an erhellten Innenstädten – Das Licht von Smartphone, Fernseher oder Laptop suggeriert unserem Körper ebenfalls das Gefühl von Tageslicht.

Zu helle Städte, aber auch helle Bildschirme können uns vom Schlaf abhalten / by Kinga Cichewicz

Und was kann man nun dagegen unternehmen?

Künstliche Lichter sind natürlich schlecht für den Energie- und Stromverbrauch. Das sollte jedem einleuchten. Zudem hat künstliches Licht auch einige gravierende Einwirkungen auf den Menschen und die Natur. Doch was genau können wir dagegen unternehmen?

Licht aus!

Klingt plump, ist aber so. Zahlreiche Reklametafeln oder Strahler, die Gebäude in mystisches Licht hüllen, müssen nicht die ganze Nacht lang angeschaltet bleiben. Auch wir selber können unseren Stromverbrauch reduzieren, indem wir selber darauf achten, das Licht in den eigenen vier Wänden wirklich nur dann anzuschalten, wenn wir es wirklich brauchen.

Das Licht abschirmen

Straßenlaternen und viele weitere Lampen können so arrangiert werden, dass die Lichtstrahlen abgeschirmt werden. Das Licht soll dann nur in eine bestimmte Richtung gelenkt werden, wodurch die Lichtstrahlen eben nicht in Richtung des Himmel gelenkt werden.

Insektenfreundliche Lampen

Ja, das gibt es. Die Lampen haben oftmals ein gelblicheres Licht, das für Insekten angenehmer ist. Zusätzlich kann man darauf achten, dass keine Insekten in das Gehäuse von Lampen gelangen können. Denn dann ist dem elenden Tod eines Insekt durch eine Verbrennung an dem heißen Leuchtmittel vorgesorgt.

Kerzen stellen eine gute Alternative zu Lampen her & reduzieren zugleich den Energieverbrauch / by Joanna Kosinski

Fazit

Lichtverschmutzung wird häufig unterschätzt, beeinflusst aber die Umwelt dennoch maßgeblich.
Licht wird aber im Bundesimmissionsschutzgesetz als Immission aufgeführt. Das heißt, das Problem ist durchaus bekannt und es wird versucht, etwas dagegen zu tun. Auf den Naturschutz wird hierbei jedoch noch nicht genug eingegangen. Dabei sind die Einflüsse des künstlichen Lichts auf die Natur wirklich groß.

Dass wir den Sternhimmel von vielen Teilen der Erde aus nicht mehr problemlos betrachten können, ist zudem für Astronomen wirklich ungünstig. Aber auch für viele andere hat der Himmel eine kulturelle oder sogar religiöse Bedeutung.

Einzelpersonen können sich nur schwer gegen Lichtverschmutzung einsetzen. Dennoch ist es wichtig, sich dem Problem bewusst zu sein. Denn auch, wenn die Eigeninitiative am Ende nur einen kleinen Teil zu Besserung beiträgt, tut man der Umwelt dennoch etwas Gutes. Für das globale Problem der Lichtverschmutzung benötigt es wohl eher Gesetze und Beschränkungen, die den Umgang mit künstlichen Lichtquellen regeln und damit der Pflanzen-, Tier- und Umwelt zu Gute kommen.

Quellen

https://www.nzz.ch/visuals/lichtveschmutzung-das-licht-und-seine-schattenseiten-ld.130166

https://www.ledvance.de/professional/faszination-licht/lichtverschmutzung/index.jsp

https://www.bund-sh.de/stadtnatur/lichtverschmutzung/

https://www.br.de/wissen/lichtverschmutzung-lichtsmog-licht-nacht-himmel-milchstrasse-tier-led-hell-102.html

http://www.lichtverschmutzung.de

https://de.wikipedia.org/wiki/Melatonin