Bereits seit über einem Jahr leben wir mit der Covid19-Pandemie und produzieren durch die nötigen Hygienemaßnahmen leider eine riesige Menge an “Corona-Müll”. Corona-Müll? Was soll das denn sein? Dieser Müll wird auch als PPE-Müll bezeichnet. PPE steht für “personal protective equipment” (zu dt. persönliche Schutzausrüstung). Dementsprechend umfasst diese Bezeichnung vor allem Abfälle wie Einwegmasken und -handschuhe, die oft aus Kunststoff und Gummibestandteilen gefertigt sind.

Corona-Müll: Was bedeutet das konkret?

Es ist essentiell, dass wir Menschen uns bestmöglich gegen das Corona-Virus schützen. Dazu gehört eben auch das Tragen von Gesichtsmasken. Leider landen viele der getragenen Masken in unserer Umwelt. Dies geschieht entweder versehentlich, wenn die Maske aus der Tasche rutscht oder aus dem Mülleimer heraus weht, aber eben auch absichtlich. Dabei ist es total schlecht für unsere Umwelt, wenn die Masken oder Gummihandschuhe, die viele tragen, in der Natur liegen gelassen werden. Was für uns Menschen Schutz bedeutet, ist für unsere Haus- und Wildtiere großes Leid.

Die Produktionsrate von Gesichtsmasken stieg in China aufgrund der Pandemie innerhalb eines Monats um 450% an. Mittlerweile haben wir weltweit wohl einen monatlichen Verbrauch von über 100 Milliarden Masken und über 50 Milliarden Einweghandschuhe. Dass das keine kleine Menge ist, wird jeder/jedem schnell klar. Was jedoch noch viel angsteinflößender ist, ist die Zahl der Masken, die im vergangenen Jahr ins Meer gelangten. Etwa 1,5 Milliarden Masken sind demnach bereits in unsere Meere gespült worden. Dies sind 1,5 Mrd. Masken zu viel – denn diese schaden der Umwelt und den Meerestieren! Die Masken bedeuten nämlich 6.200 Tonnen mehr Plastikmüll in den Meeren.

Gesichtsmasken landen immer wieder in den Meeren und sind eine Gefahr für die Tiere / by Brian Yurasits

Auswirkungen auf die Tierwelt

Wie gerade bereits angedeutet, hat unser Corona-Müll einen wahnsinnig großen Einfluss auf unsere Natur. Und die Natur ist das Zuhause vieler verschiedener Tiere. Egal ob an Land oder im Wasser: Die Masken sind ein riesiges Problem! Denn die Einwegmasken und auch die Gummihandschuhe sind weder recycelbar noch kompostierbar. Es dauert mehrere hundert Jahre, bis die Einwegprodukte vollständig zersetzt sind. Das bedeutet, dass all der Müll, den wir nun achtlos in die Natur werfen, noch Ewigkeiten ein Problem für unsere Umwelt darstellen wird.

Die Masken können ganz verschiedene Tiere negativ beeinflussen. Viele Vögel verwenden unseren PPE-Müll bereits zum Bau ihrer Nester. Andere Vögel verheddern sich wiederum in den Gummibändern der Masken. Dabei wickeln sich die Gummis so sehr um die kleinen Beine der Vögel, dass sogar schon die Gelenke anschwellen und sich die Vögel gar nicht mehr von allein befreien können. Auch andere Landtiere wie Igel oder Füchse wurden bereits gesichtet, wie sie sich in Masken verhedderten.

Die Masken sorgen in den Meeren aber auch für viele Probleme. Insbesondere Schildkröten oder Möwen verheddern sich sehr leicht in den Bändern der Masken. Aber nicht nur die primäre Gefahr des Verhedderns oder des Strangulierens von Meerestieren ist ein Problem.
Gerade im Wasser können sich die Einwegmasken mit der Zeit beginnen aufzulösen, wodurch Mikroplastik in das Wasser gelangt. Diese Mikrobestandteile können ganze Ökosysteme beeinflussen.

Masken müssen verantwortungsvoll entsorgt werden, da sie sonst zur Gefahr für Tiere werden / by Sajad Nori

Auch Haustiere sind betroffen

Was nicht nahbar ist, ist für viele leider schnell aus dem Sinn. Deshalb ist es nicht selten, dass sich Menschen manchmal nicht so viele Gedanken über die Auswirkungen ihrer Taten machen, wenn sie nicht selbst von diesen betroffen sind.
Dabei ist es in der heutigen Zeit, in der wir alle global vernetzt sind, doch umso wichtiger, sein eigenes Verhalten zu reflektieren und sich zu überlegen, welche Folgen dies für andere haben kann. Denn unser Verhalten betrifft eben nicht immer direkt uns selbst. So wurden sogar an den Stränden der unbesiedelten Soko-Inseln in der Nähe Hong-Kongs hunderte Masken gefunden. Diese sind vermutlich aus China angeschwemmt worden und verschmutzen bereits dort unbewohnte Gebiete, die die Heimat vieler Tiere darstellen.

Aber eben nicht nur Wildtiere sind von den Auswirkungen unseres Corona-Mülls betroffen. Haustiere können ebenfalls unter dem Müll leiden, den wir einfach so in die Natur werfen. Bisher gibt es schon einige Berichte von Tierbesitzern, deren Katzen und Hunde bereits Masken gefressen und sich damit in gesundheitliche Schwierigkeiten gebracht haben.
Dies zeigt doch nur, dass das Problem des Corona-Mülls eben ein globales ist. Das Problem ist nahezu überall präsent und jede*r Einzelne ist gefragt, um etwas gegen dieses Problem zu tun.

Hier ist der Hund zum Glück nicht in Gefahr: Das kann sich jedoch ganz schnell ändern / by Stefan Heesch

Was tun, um dem Müll-Problem entgegenzuwirken?

Keine Frage: Wir sind momentan noch dazu verpflichtet uns selbst und unsere Mitmenschen bestmöglich zu schützen. Und dies müssen wir nun mal mit nötiger Schutzkleidung wie FFP2 oder medizinischen Masken tun!
Das Problem ist vor allem die falsche Entsorgung der Masken. Und daran kann ja jede*r selbst arbeiten. Denn die gebrauchten Masken gehören in den Restmüll. Am besten entsorgt man die Masken zusätzlich in einem kleinen Beutel, der fest zugeknotet werden kann. Dadurch schützt man nicht nur Mitmenschen, sondern auch die Umwelt. Denn lose Masken sollten niemals weggeworfen werden. Vor der Entsorgung ist es möglich, die Gummibänder durchzuschneiden, damit sich keine Tiere mehr in ihnen verheddern können.

Gummihandschuhe sind hingegen medizinisch gesehen sogar gar nicht so klug zu nutzen. Denn ein regelmäßiges Händewaschen ist sogar deutlich effektiver, um sich vor möglichen Viren und Bakterien zu schützen. Das Tragen von Handschuhen ist nur eine zusätzliche Belastung für unsere Umwelt und verleitet eher dazu, unvorsichtiger mit der Gesamtsituation umzugehen. Denn ins Gesicht sollte man sich mit den Handschuhen erst recht nicht fassen, da Bakterien und Viren an der Gummioberfläche deutlich einfacher haften als an unserer Haut!

Unser “Corona-Müll” wird uns noch eine lange Zeit begleiten. Wir sind es, die darauf achten sollten, dass wir der Umwelt so wenig Schaden wie möglich zufügen. Unsere Tierwelt hat wohl noch sehr lange Zeit mit den Folgen unserer PPE-Abfälle zu kämpfen. Wir müssen also unser Bestes geben, um die Folgeschäden so gering wie möglich zu halten!

Wenn ihr euch noch mehr zu dem Thema belesen wollt, dann schaut euch doch diese Studie zu dem Thema The effects of COVID-19 litter on animal life an! Von dort stammen ebenfalls die meisten Informationen aus diesem Blog-Artikel.

Titelbild: Clean Up Your City Bremen – Vielen Dank für die Breitstellung des Fotos und Eure großartige Hilfe, die Stadt Bremen sauber zu halten! 🙂

Quellen

https://brill.com/view/journals/ab/71/2/article-p215_7.xml

https://www.rnd.de/wissen/niederlandische-nachwuchsforscher-masken-werden-auf-jahrhunderte-eine-gefahr-fur-tiere-darstellen-2PS2PPY6VRH2BB3OLP55HJJNGA.html

https://www.mdr.de/ratgeber/familie/masken-tiere-gefahr-sterben-100.html

https://de.euronews.com/2021/01/12/gefahrlicher-mull-masken-konnen-tiere-toten

https://www.dw.com/de/was-vor-corona-schützt-wird-für-die-umwelt-ein-problem/a-53217831

https://www.n-tv.de/panorama/1-5-Milliarden-Einwegmasken-landen-in-Meeren-article22311285.html